KISS und KIDD
KISS, KASS, KUSS und nun auch noch KIDD, die Verwirrung scheint immer größer zu werden und der Gebrauch dieser Begriffe scheint immer
unspezifischer zu werden.
Für Interessierte möchte ich hier auf das im Jahr 2004 erschienene Buch von Dr. Sacher: Handbuch KISS KIDDs sowie auf seine Webseite
www.manmed.info hinweisen. Dort bekommen Sie viele Informationen zu dem Thema in leicht verständlicher
Form.
Auch andere Autoren liefern mittlerweile unterschiedlichste Literatur zu dem Thema, besonders auch Dr. Heiner Biedermann, der sich sehr intensiv mit dem Thema
beschäftigt hat und es noch tut. Er hat auch den Begriff KISS geprägt.
Dennoch möchte ich zum schnelleren Verständnis hier eine kurze Erklärung oben genannter Begriffe geben.
- KISS
- Kopfgelenk Induzierte Symmetrie Störung
Eine Störung an den Kopfgelenken verursacht die Probleme des Neugeborenen, Säuglings oder Kleinkindes. Hier unterscheidet man noch KISS I und KISS
II, wobei auch häufig Mischformen vorkommen.
- KISS I
- Das Kind ist schief und liegt wie ein C in seinem Bettchen. Das Hauptproblem ist die Drehung des Kopfes. Es schaut fast ausschließlich zu einer
Seite, der Kopf ist an einer Seite abgeplattet, das Gesicht ist asymmetrisch, es benutzt eine Hand weniger als die andere. Häufig kommt es zu
Bindehautentzündungen auf einer Seite oder auch zu einem verstopften Tränenkanal. Beim Stillen lehnt das Kind oft eine Brust ab.
Die Kinder sind meistens schlaff und schaffen es nie, den Kopf gegen die Schwerkraft zu heben. Hinzu kommen viele andere Probleme wie die sogenannten
3- Monatskoliken, Schwierigkeiten beim Saugen und eine allgemeine Unzufriedenheit.
- KISS II
- Die Kinder liegen überstreckt in ihrem Bettchen, wie ein Flitzebogen. Das Hauptproblem ist die Bewegung des Kopfes nach vorne und hinten. Sie wollen
immer nur senkrecht getragen werden, wobei sie sich auch überstrecken und die Arme weit vom Körper weghalten. Sie drücken den Hinterkopf stark
nach hinten und haben daher eine kahle Stelle am Hinterkopf. Die Bauchlage finden sie ganz fürchterlich, sie haben Probleme den Kopf zu heben und
stützen sich nicht auf die Unterarme. Ihr Hals scheint dabei zu verschwinden.
Auch sie sind schlaff (hypoton) und haben Trinkschwierigkeiten. Diese Kinder erkennt man oft schon daran, dass sie immer ein Lätzchen oder Tuch um den
Hals tragen, denn der Speichel läuft ständig und sie spucken viel.
- KASS
- Kopfgelenk Abhängige Symmetriestörung
Die eigentliche Ursache für die Symmetriestörung ist nicht der Bewegungsverlust im Nacken, aber in Folge ist es auch hier zu Verspannungen gekommen
und eine entsprechende Behandlung hat positiven Einfluss auf die Gesamtsymptomatik. Dies ist z. B. häufig bei spastischen Lähmungen der Fall.
- KUSS
- Kopfgelenk Unabhängige Symmetriestörung
Die Symmetriestörung hat nichts mit der oberen Halswirbelsäule zu tun. Der Grund für die schiefe Haltung des Kindes ist woanders zu suchen; z. B.
anatomische Anomalien wie Blockwirbel oder auch starke Narbenzüge nach Operationen.
- KIDD
- Kopfgelenk Induzierte Dysgnosie und Dyspraxie
Es handelt sich dabei um Wahrnehmungsstörungen des etwas älteren Kindes. Die Asymmetrie steht nicht mehr im Vordergrund, obwohl sie nach wie vor
vorhanden ist. Die Kinder fallen vor allem durch Ungeschicklichkeiten auf und zwar sowohl im Grob- als auch im Feinmotorikbereich. Sie werden leicht aggressiv
oder geben schnell auf, wenn sie an ihre motorischen Grenzen stoßen. Häufig machen Erzieher im Kindergarten die Eltern auf diese Probleme aufmerksam
und es wird dann höchste Zeit zu handeln.
Neben der mangelhaften Motorik treten auch noch Probleme beim Essen oder Schlafen sowie Hyperaktivitäten auf und auch Kopf- und Rückenschmerzen im
Kindergartenalter sind keine Seltenheit mehr.
Die Ursache kann hier in einer unbehandelten KISS-Symptomatik liegen. Der Bereich der oberen Halswirbelsäule ist nicht nur für Haltung, Aufrichtung
und Bewegung zuständig, sondern auch insbesondere für Gleichgewicht und Wahrnehmung. Früher nahm man an, dass insbesondere das Innenohr für
unseren Gleichgewichtssinn zuständig ist. Dies ist auch immer noch richtig, aber die Forschungen der letzten Jahrzehnte haben eindeutig nachgewiesen, dass
der Bereich der oberen Halswirbelsäule eine viel bedeutendere Rolle spielt.
Zusammenfassend kann gesagt werden:
- KISS gibt es bei Säuglingen und Kleinkindern
- KIDD gibt es ca. ab dem 5. Lebensjahr
- Dazwischen liegt eine Zeit, für die es noch keine klare Zuordnung gibt. Aus der Erfahrung heraus kann aber gesagt werden, dass sich eine KIDD auch schon
früher als im 5. Lebensjahr entwickeln kann.
- KISS bei älteren Kindern oder Erwachsenen gibt es nicht.